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Klosterroute in der Lüneburger Heide

Radwege

Der Kloster-Radweg in der Lüneburger Heide

Eine Rad-Rundreise mit unerwarteten Kulturhöhepunkten


Einen Tagesritt voneinander entfernt liegen im Gebiet der heutigen
Lüneburger Heide sechs noch bewohnte Frauenklöster. Von Kloster Lüne
im Zentrum Lüneburgs bis Wienhausen bei Celle, von Walsrode im
Westen bis Medingen bei Bad Bevensen im Osten überraschen diese
Kulturstätten immer wieder die Besucher.
Gerade der Herbst lockt viele Gäste wegen der Kulturprogramme oder
weil sie mit dem Fahrrad auf einer der beliebten, weil flachen
Heiderouten unterwegs sind. Eine Reise von Schatz zu Schatz ist das.
„Wir haben drei der Klöster mit einem besonderen Radweg verbunden“,
freut sich Ulrich von dem Bruch über die große Nachfrage. Er ist
Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, die sich um den Tourismus
in der gesamten Region kümmert.
„Die hohe Dichte an Klöstern ist nicht ungewöhnlich“, erläutert die
Äbtissin Erika Krüger vom Kloster Ebstorf westlich von Uelzen, „doch
dass es alles evangelische Frauenklöster sind, das gibt es sonst nirgends.“
Noch im späten Mittelalter wurden die Klöster vom Landadel gefördert,
weil sie dort ihre Töchter unterbringen wollten. Nach der Reformation
gab es eine Zusage des Landesherrn, für den Unterhalt der Klöster zu
sorgen. „Die besteht bis heute“, erläutert die Äbtissin. „Nur vom Geld
für Führungen und Konzerte könnten wir nicht leben oder die Gebäude
erhalten.“ Jedes Kloster wirtschaftet selbstständig. Der jeweilige
Präsident der Klosterkammer Hannover hat in der Funktion des
Landeskommissars für die Lüneburger Klöster die Rechtsaufsicht über die
Lüneburger Klöster.

Ebstorf hat die berühmte Weltkarte
Zu erleben gibt es viel: Im Kloster Ebstorf ist die Kopie der großen
Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert zu bewundern. Die
„Paradiesgärtlein“, das sind Tafeln vermutlich als Gebetshilfe, sind ein
Kleinod. Genauso die mittelalterliche Madonna aus der Zeit, als Ebstorf
Pilgerkloster war.
Im Kloster Lüne gilt das Textilmuseum als besonderer Schatz. Da werden
die von Benediktinernonnen und evangelischen Stiftsdamen gefertigten
Altardecken und Fastentücher gezeigt. „Viele sind aus der Zeit von 1250
bis 1350“, berichtet eine der Damen. Abendmahlsdecken und Banklaken
sowie große Teppiche und eine Weberei gehören ebenso zu den
Sehenswürdigkeiten. Das Café ist im Renaissancestil aus dem 17.
Jahrhundert gehalten. „Wir haben einen Ruhepol mitten in der
historischen Stadtanlage“, schwärmt die Stiftsdame.
Medingen ist heute das größte Kloster
Mit mehr als 100 Frauen war das Kloster Medingen bei Bad Bevensen,
seit der Reformation 1559 evangelisches Damenstift, einst das
mächtigste der Gegend. Ledige Töchter der Lüneburger Patrizierfamilien
traten mit reichem Hausstand in den Konvent und mehrten so den
Besitz. Zahlreiche Kirchenlieder wurden im Kloster geschrieben. Heute
leben dort 18 Konventualinnen - das größte Frauenkloster in
Niedersachsen. Die Äbtissin hütet noch den Krummstab von 1494, als die
erste ihr Amt in Medingen antrat. In dem schlossähnlichen Gebäude mit
der beeindruckenden Rundkirche sind seltene Möbel, Gemälde und
Stickereien zu bewundern. Sogar Flussperlen aus der Ilmenau gehören
dazu. Beliebt sind die Musikveranstaltungen in den alten Mauern gerade
im Herbst.

Walsrode: Soziale Tradition
Das älteste Heidekloster steht in Walsrode. Im Jahr 986 wurde es
erstmals erwähnt. 1812 besetzten Soldaten Napoleons das Kloster,
warfen die Damen hinaus und verkauften das Mobiliar. Als soziale
Einrichtung ist es den Bürgern des 19. Jahrhunderts in Erinnerung. Die
erste Walsroder Armenschule für Mädchen öffnete darin 1842 ihre
Türen. Dann als Krankenhaus, später als Warteschule für Kleinkinder
machte sich das Kloster einen Namen. Äbtissin Sigrid Vierck freut sich
über Besucher. Täglich bis 18 Uhr ist das Gelände geöffnet; Führungen
laufen bis Ende Oktober.
Auch das Kloster Wienhausen östlich von Celle ist nur bei Führungen zu
besichtigen. Sie werden auf Wunsch sogar in Englisch, Französisch oder
Spanisch gehalten. „Plattdeutsch auf Anfrage“, zeigt eine der 15
Stiftsdamen die Möglichkeiten auf. 1587 übernahm die erste
evangelische Äbtissin die Aufgaben in dem früheren
Zisterzienserinnenkloster, das vom Celler Herzogshaus und von den
Hildesheimer Bischöfen mit reichen Zuwendungen bedacht worden war.
„Jetzt freuen wir uns auf das Preisträgerkonzert am 13. November“,
schwärmt die Konventualin. Das Bennewitz-Quartett spielt
Mendelssohn-Batholdy.
Wenn auch die Reize groß sind, bleiben können Touristinnen in den
Frauenklöstern der Heide nicht über Nacht. „Kloster auf Zeit haben wir
nicht im Angebot“, sagt eine Stiftsdame. „Aber Sie sollten
wiederkommen - so oft Sie können.“
Jan Blücher

Infos:
www.lueneburger-heide.de

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