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Radeln über 50 Langfassung

Rund ums Rad

Radeln ab der Lebensmitte
Die Generation 50+ will keine "Senioren-Räder", sondern das individuelle Rad. Ansprüche und Bedürfnisse unterscheiden sich beträchtlich. Hersteller und Handel reagieren. Lesen Sie den bericht über die Ergebnisse eines Workshops.

"Das Senioren-Rad" gibt es nicht: Die Generation 50+ benötigt keinen besonderen Fahrradtypen, sie stellt vielmehr besondere Anforderungen, die unabhängig des gewählten Fahrradtyps umgesetzt werden müssen. Das ist das Ergebnis eines Workshops unter dem Titel "Radeln ab der Lebensmitte", den die Deutschen Senioren Liga und der pressedienst-fahrrad im April 2006 veranstalteten. Best-Ager diskutierten und probierten verschiedene Fahrräder unterschiedlicher Bauart aus. Sie konnten sich dabei nicht auf das ideale Fahrrad einigen. Festzustellen ist vielmehr, dass sich die Gewichtung der einzelnen Anforderungen an ein gutes Fahrrad über die Jahre hinweg verändert (hat). "Sportliche Eigenschaften rücken mit der Zeit gegenüber Komfortaspekten in den Hintergrund", fasst Gunnar Fehlau vom pressedienst-fahrrad zusammen. "Sicherheitsaspekte wie wartungsarme und stabile Komponenten, sowie sichere Lichtanlagen und pannenfreie Reifen, interessieren Best-Ager mehr als Teenies", bestätigt Erhard Hackler, Geschäftsführer der Deutschen Senioren Liga.
"Gewicht ist als einziger Faktor stets von Bedeutung, keiner fährt gerne ein schweres Rad", ergänzt Fehlau.

Maßstab beim Fahrradkauf sind indes die eigenen Erfahrungen, die eigene Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit, die eigene Lebenssituation beziehungsweise das eigene Lebenskonzept der Best-Ager. Und diese sind sehr unterschiedlich. Es gilt:

Die Generation 50+ gibt es nicht

Die ältere Generation lässt sich schlecht unter einen Hut bringen. "Das Spektrum reicht vom Computer-Freak über den Kirchgänger bis zum Konsumenten und Familienmenschen. Verschiedene Lebenswelten werden gleichzeitig und nebeneinander ausgefüllt, erlebt und gelebt," schildert Dr. Michael Pries vom B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitut aus Hamburg. Studien unterscheiden bis zu 10 verschiedene Typen/Milieus.

Freude am Radfahren eint die Generation 50+

2005 fuhren 38 Prozent der Best-Ager regelmäßig Fahrrad (laut DVR). Eine Erklärung dafür bietet Dr. Peter Konopka "Wenn man mit Spaß und Freude, schwerelos (das Körpergewicht wird ja vom Sattel getragen) und flott durch die Landschaft rollt - wem würde da nicht das Herz aufgehen?

Für das Radfahren im Alter sprechen übrigens nicht nur gesundheitliche Aspekte, sondern auch gesellschaftliche und Standortfaktoren: "Ältere Menschen haben die City als Wohn- und Lebensraum neu entdeckt", sagt die Münchener Stadtbaurätin Christiane Thalgott. "Ältere Mitbürger schätzen die gute Infratstruktur in der Stadt, das kulturelle Angebot, die vielen Ärzte in erreichbarer Nähe", so Thalgott. Statt eines eigenen Autos, für das man in der Stadt nur selten einen Parkplatz findet, praktiziert die Generation 55+ immer öfter eine Kombination von Fahrrad, öffentlichem Nahverkehr und Taxi. Nicht zu letzt auch aus Kostengründen.

Generation 50+ kennt Stand der Fahrradtechnik nicht

Die Best-Ager sind zwar technisch sehr interessiert, der aktuelle Stand der Fahrradtechnik ist jedoch nicht allen bekannt. "Die Vorzüge moderner Schalt-, Brems- und Beleuchtungstechnik sind weithin unbekannt", erklärt Erhard Hackler. Dies ist aber wichtig, "denn mit der richtigen Ausrüstung ist immer Saison", so Hackler.
"Zuerst dachte ich ja, nur der Sattel muss gefedert sein. Jetzt bin ich mit der Federgabel gefahren und ich muss schon sagen: Das hat was! Ist auch sicherer, weil das Vorderrad viel besser am Boden bleibt," so Workshop-Teilnehmer Rolf Nöthen.

So wird das Gewicht zwar als einer der wichtigsten Punkte genannt, aber auch hier ist eine absolute Verallgemeinerung nicht möglich: "Das Gewicht eines Rades ist für mich eher untergeordnet, ich stelle mein Rad ja nicht im Keller ab. Man trägt das Rad doch nicht so oft, wie man zuerst denkt", erklärt Rolf Nöthen. Ähnlich ambivalent verhält sich der Aspekt "Auf- und Absteigen". "Je leichter man den Boden mit den Füßen erreichen kann, desto sicherer fühlt man sich", rät der Fahrradsachverständige Ulrich Lippmann. Im Workshop wurde dieser Punkt hingegen sehr unterschiedlich bewertet: "Nee, sportlich muss das sein! Ich will einen klassischen Diamantrahmen und nehme dafür auch gerne das Drüberschwingen in Kauf, das kenne ich ja auch nicht anders", so Workshop-Teilnehmer Philipp Hammer. Workshop-Teilnehmerin Eve Herzogenrath sagt: "Ich steige auch auf mein Damenrad mit dem Drüber-Schwung auf!" Anders ist es bei Workshop-Teilnehmerin Cathy Nöthen, für sie kommen nur Räder mit einem tiefen Durchstieg in Frage.

Vollfederung ist ein weiterer Punkt, der auch unter Best-Ager strittig diskutiert wird: "Ich finde, der Hintern ist beim Radfahren immer kritisch. Vor allem auf längeren Touren, daher finde ich Vollfederungen viel besser als nur eine Federgabel", sagte Philipp Hammer und wurde von Eve Herzogenrath unterstützt: "Also Vollfederung ist für mich Pflicht!". Workshop-Teilnehmerin Jil Helga Schneider hält dagegen:"Ich brauche überhaupt keine Vollfederung!"

Nicht alle Argumente der Best-Ager sind rational und sicherheitsbezogen. Dass Lebensfreude auch in diesem Lebensabschnitt im Mittelpunkt steht, zeigen folgende Statements: "Ich will einen steifen Rahmen, dann kann ich besser freihändig fahren"(Eve Herzogenrath). "Ich fahre nicht mehr ohne Spiegel. Dann habe ich immer im Blick, wo meine Frau bleibt" (Philipp Hammer). Ähnlich verhält es sich mit dem Aspekt Design: "Schön und sportlich" (Eve Herzogenrath), "edel" (Anité Kron) und "passend zur Garderobe" (Jil Helga Schneider) müssen Räder für die Generation 50+ sein.

Gutes Rad kostet gutes Geld

Beim Brainstorming der Workshopteilnehmer zu den Eigenschaften eines guten Best-Ager-Bikes rangierte ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis an 20. Stelle. Der Gang zum Discounter kam für die Workshopteilnehmer deshalb für den Fahrradkauf nicht in Frage. "Von der Funktion des Fahrrads hängt im Zweifelsfall mein Leben ab. Da will ich Qualität", erklärte Jil Helga Schneider. Ralf Nöthen ergänzt: "Ich brauch im Fachgeschäft keine Chef-Beratung, sondern von einem, der Ahnung hat!" Ralf Nöthen unterscheidet zwischen der Kompetenz des Fachhandels in unterschiedlichen Branchen: "Beispielsweise erwarte ich im Möbelhandel gar keine Behandlung mehr!" Anders beim Fahrrad, da will Nöthen Beratung und Service: "Das Fahrrad ist doch ein Fahrzeug, ein Verkehrsmittel!". Vor dem Gang ins Fachgeschäft informiert sich die Generation 50+: "Ich schaue mir die Test der Stiftung Warentest an", berichtet Anité Kron.

Ein Trend zu kleinen und handlichen Radkonzepten.

Fahrräder mit kleinen Laufrädern haben es den Best-Agern angetan.
Beispielsweise Falträder: "Toll! Das Birdy [11] ist kein Klapprad, sondern stabil! Das fährt sich so... knuffig!" sagt Eve Herzogenrath, Catherine Nöthen ergänzt: "Das Birdy [11] hat einen guten Einstieg und ist leicht.". Auch Compact-Bikes (handlich Fahrräder mit kleinen Laufrädern) können überzeugen: "Unheimlich gut zu fahren, das EST Twenty [12] hat einen ganz kleinen Wendekreis", Eve Herzogenrath. In diesen Trend passen auch Scooter-Bikes (Räder mit Sitz und Lehne statt Sattel): "So richtig gemütlich, das Equinox [13]! Da kann man ganz bequem mit beiden Beinen stehen und sicher losfahren. Das ist mir wichtig", erklärt Catherine Nöthen.

Klassische Citybikes mit tiefem Durchstieg und Nabenschaltung können mit und ohne Vollfederung überzeugen: "Das Denver [02] ist prima, das würde ich am liebsten gleich mitnehmen!" erzählt Catherine Nöthen. "Das Avenue [15] ist ein angenehmes Rad und sehr komfortabel", weiß Eve Herzogenrath.
Selbst Sportgeräte wie Rennräder stehen bei der Generation 50+ hoch im Kurs. Vorausgesetzt, sie sind entsprechend bequem und sicher konzipiert, wie das SRD 72 von Felt, ein Rennrad mit aufrechter Fahrposition und zusätzlichen Bremsengriffen am Obergriff des Rennlenkers: "Ich fand das SRD 72 [07] ganz toll, sportlich aber nicht unbequem!" sagt Jil Helga Schneider.

Umgekehrt sind auch Räder willkommen, die mit den Folgen des Alters offensiv umgehen: E-bikes "Das T-Flyer [08] ist ein cleveres Ding. Das ist ganz ruhig und nicht jeder merkt gleich, dass da ein Motor drin ist. Das sieht aus wie eine Werkzeugbox. Das Licht aus dem Akku ist auch super, vor allem mit der Restschaltung, da bleibt immer genügend Strom für's Licht", so Philipp Hammer. "Wichtig ist ja, dass das T-Flyer [08] trotz des Elektromotors noch ein Fahrrad ist. Wenn man nicht tritt, bleibt man stehen. Da muss man sich schon noch bewegen", erklärt Anité Kron.

Auch Sonderkonstruktionen wie Tandems wecken das Interesse der Generation 50+: "So ein Tandem wie das Croozer ist eine prima Idee für Paare, bei denen einer der Partner schlecht sieht", findet Jil Helga Schneider. Anité Kron berichtet: "Schön einfacher Einstieg beim Croozer Tandem [03]. Und das City-Tandem [04] hat einfach Spaß gemacht, weil man da zu zweit treten kann. Das gibt riesigen Speed."

Die Umgewöhnung auf einen neuen Fahrradtypen scheuen aktive Best-Ager nicht. "Nach ein paar Metern Eingewöhnung fährt sich das City-Tandem [04] gut und unkompliziert", berichtet Rolf Nöthen.

Design-orientierte Räder können ebenfalls punkten: "Schlicht und schick! Also wenn Das Super Tool [06] mein Rad wäre, dann wäre ich mental immer die Erste!" urteilt Jil Helga Schneider. Dass Design und Status wichtig sind, verwundert kaum, schließlich fühlt sich die Generation 50+ nicht selten 15 Jahre jünger als sie tatsächlich ist.

Der Teufel steckt bei den Rädern für die Generation 50+ manchmal im Detail, Rolf Nöthen: "Sehr angenehm ist das Homage [14] durch die Vollfederung. Aber auch hier: für mich einfach zu kurze Bremshebel! Wenn das noch anders wäre, würde ich das Homage sofort mitnehmen."

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